Das Wichtigste in Kürze
Die schnellste Prüfung ist eine Rechnung, kein Tool: Interaktionen geteilt durch Follower, verglichen mit dem Branchen-Median von 0,36 Prozent auf Instagram (Rival IQ, 2025 Social Media Industry Benchmark Report).
Die verbreitete Faustregel „unter 1 Prozent ist verdächtig“ führt in die Irre. Sie liegt für Unternehmensaccounts fast dreimal über dem tatsächlichen Median.
Rechtlich ist der Follower-Kauf für Unternehmen kein Graubereich: Das LG Stuttgart wertete zugekaufte „Fans“ als Irreführung nach § 5 UWG (Beschluss vom 06.08.2014, Az. 37 O 34/14 KfH).
Vor jeder Influencer-Buchung gehören zwei Dinge in den Prozess: ein Blick in die Insights des Creators und eine Vertragsklausel zur Audience-Qualität.
01Die 7 Prüfschritte im Überblick
Arbeite sie in dieser Reihenfolge ab. Die ersten drei kosten fünf Minuten und filtern die meisten Fälle heraus. Die restlichen vier brauchst Du erst, wenn tatsächlich Geld fließt.
1. Den Follower-Verlauf auf Sprünge prüfen
Echtes Wachstum verläuft in Wellen: Ein guter Beitrag bringt einen Ausschlag, danach flacht die Kurve ab. Gekauftes Wachstum sieht anders aus. Es springt innerhalb weniger Stunden um mehrere tausend Follower und fällt danach oft wieder ab, weil die Plattformen die Fake-Profile löschen.
Entscheidend ist der Kontext. Ein Sprung nach einem viralen Reel oder einem TV-Auftritt ist plausibel. Passiert dasselbe an einem beliebigen Dienstagvormittag ohne erkennbaren Anlass, ist es das nicht. Frag im Zweifel einfach nach, woher der Schub kam. Wer echt gewachsen ist, erzählt die Geschichte gerne.
2. Die Engagement-Rate gegen den Benchmark rechnen
Das ist der aussagekräftigste Einzelschritt, und Du brauchst dafür kein Tool. Die Formel:
(Likes + Kommentare + Shares) ÷ Follower × 100 = Engagement-Rate in Prozent
Nimm die letzten zehn Beiträge und bilde den Durchschnitt. Einzelne Ausreißer verzerren das Bild sonst zu stark.
Der Vergleichswert kommt aus dem 2025 Social Media Industry Benchmark Report von Rival IQ. Die Analyse umfasst über vier Millionen Beiträge und neun Milliarden Interaktionen aus 14 Branchen, ausgewertet als Median statt als Durchschnitt. Für Instagram liegt der Median über alle Branchen bei 0,36 Prozent. Das obere Viertel der Marken erreicht 1,02 Prozent, Accounts der Kategorie Influencer kommen auf 0,576 Prozent.
Was das für Deine Prüfung heißt: Ein Account mit 50.000 Followern sollte pro Beitrag im Bereich von 180 Interaktionen liegen, ein starker Account bei rund 500. Kommt ein Profil dieser Größe auf 20 Likes und zwei Kommentare, stimmt das Verhältnis nicht. Wie Du die Kennzahl für den eigenen Account systematisch nutzt, haben wir in unserem Beitrag zur Engagement-Rate berechnen und verbessern aufgeschrieben.
3. Kommentare lesen statt zählen
Likes lassen sich billig kaufen, glaubwürdige Kommentare nicht. Deshalb ist der Kommentarbereich die ehrlichste Stelle im Profil.
Achte auf drei Muster:
Inhaltsleere. „Nice“, „🔥🔥🔥“, „Great post“ unter einem deutschsprachigen Beitrag über Heizungsbau. Kommentare, die zu jedem beliebigen Post passen würden, passen zu keinem.
Sprachbruch. Englische oder russische Kommentare in großer Zahl unter einem Account, der ausschließlich auf Deutsch für den deutschen Markt publiziert.
Missverhältnis. Tausende Likes, eine Handvoll Kommentare. Bei echtem Publikum liegt das Verhältnis von Kommentaren zu Likes meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich, nicht bei einem Promille.
4. Eine Stichprobe aus der Follower-Liste ziehen
Öffne die Follower-Liste und sieh Dir zwanzig Profile an. Nicht die obersten zwanzig, sondern verteilt über die Liste. Zähl, wie viele dieser Merkmale zusammenkommen:
kein Profilbild oder ein offensichtliches Stockfoto
Nutzername mit angehängter Zahlenkette oder wahllosen Unterstrichen
null oder eine Handvoll eigener Beiträge
leere Biografie
folgt mehreren tausend Accounts, hat selbst kaum Follower
Ein einzelnes Merkmal sagt wenig, viele Menschen haben einfach ein karges Profil. Passen aber bei mehr als der Hälfte der Stichprobe drei oder mehr Merkmale gleichzeitig, ist das ein deutliches Zeichen.
5. Die Geografie gegen den Zielmarkt halten
Dieser Schritt ist der schärfste, wenn Du eine Influencer-Kooperation prüfst, weil er sich nicht kaschieren lässt. Bitte den Creator um einen Screenshot der Zielgruppen-Insights mit der Verteilung nach Ländern und Städten.
Ein Account, der auf Deutsch über Handwerk in Sachsen postet und dessen Publikum zu 40 Prozent aus Indien, Brasilien oder Indonesien kommt, hat ein Problem. Entweder wurden Follower gekauft, oder die Reichweite ist für Dein Geschäft wertlos. Beide Antworten führen zur selben Entscheidung.
Wer die Insights nicht zeigen will, hat meist einen Grund.
6. Views gegen Follower prüfen
Reels und Stories sind schwerer zu manipulieren als die Follower-Zahl, weil die Ausspielung am Verhalten hängt. Story-Views liegen bei gesunden Accounts typischerweise im Bereich von fünf bis fünfzehn Prozent der Follower-Zahl. Liegt ein Account mit 80.000 Followern konstant bei 300 Story-Views, kann die Follower-Zahl nicht echt sein.
Dasselbe gilt für Reels. Wenn jemand viele Follower hat, die Reels aber trotzdem kaum Aufrufe bekommen, dann war ein großer Teil dieser Follower nie echtes Publikum.
7. Mit einem Tool gegenchecken
Erst jetzt lohnt ein Tool, und zwar als Bestätigung, nicht als Ersatz für die Schritte davor.
Tool | Was es leistet | Grenzen |
|---|---|---|
HypeAuditor | Audience-Quality-Score, Fake-Follower-Schätzung, Zielgruppendemografie | Kostenlose Version stark limitiert, Fokus auf größere Creator |
Modash | Fake-Follower-Check und Creator-Datenbank | Auf Influencer-Marketing zugeschnitten, für eigene Accounts wenig hilfreich |
Not Just Analytics | Schneller Score inklusive Follower-Verlauf | Grobe Schätzung, keine Methodik-Offenlegung |
Instagram Insights | Echte Plattformdaten zu Demografie und Reichweite | Nur für eigene Accounts oder auf Anfrage beim Creator |
Alle externen Tools schätzen. Sie sehen nur öffentliche Daten und leiten daraus ab. Ein schlechter Score ist ein Anlass für Rückfragen, kein Beweis. Der einzige belastbare Datensatz sind die Insights aus dem Account selbst, und genau deshalb steht Schritt 5 vor Schritt 7.

02Warum die „1-Prozent-Regel“ in die Irre führt
In vielen Ratgebern steht, eine Engagement-Rate unter einem Prozent sei verdächtig. Diese Regel richtet mehr Schaden an als Nutzen, weil sie zwei völlig verschiedene Account-Typen in einen Topf wirft.
Die Rival-IQ-Daten zeigen den Unterschied deutlich: Der Median liegt bei Unternehmensaccounts auf Instagram bei 0,36 Prozent. Ein Prozent erreicht erst das obere Viertel. Wer die Faustregel anwendet, erklärt also drei von vier völlig gesunden Firmenaccounts zu Verdachtsfällen und übersieht gleichzeitig, dass die Grenze für Creator-Accounts anders liegt.
Sinnvoller ist ein Vergleich in der eigenen Klasse. Nimm drei bis fünf Accounts aus derselben Branche und mit ähnlicher Follower-Größe, rechne für alle die Engagement-Rate und sieh Dir an, wo der Prüfkandidat steht. Fällt er um den Faktor fünf nach unten ab, ist das ein Signal. Nach oben übrigens genauso, denn gekaufte Likes erzeugen manchmal absurd hohe Werte. Wie Du Wettbewerber systematisch vergleichst, zeigt unser Leitfaden zur Social-Media-Wettbewerbsanalyse.
03Influencer prüfen, bevor Du buchst
Prüf lieber vorher, nicht wenn die Unterschrift schon drunter steht. So gehst Du dabei am besten vor:
Schnellcheck mit den Schritten 1 bis 3. Dauert fünf Minuten pro Creator und sortiert die offensichtlichen Fälle aus.
Insights anfordern. Screenshot der Zielgruppe nach Land, Alter und Geschlecht sowie die Reichweite der letzten 30 Tage. Wer das nicht liefert, fällt raus.
Referenzen erfragen. Welche Marke hat zuletzt kooperiert, und was kam dabei heraus? Ein Anruf bei der Vorgängermarke sagt mehr als jedes Tool.
Vertraglich absichern. Eine Klausel, die den Creator versichern lässt, keine Follower, Likes oder Kommentare gekauft zu haben, und die Dir bei Verstoß ein Rücktrittsrecht gibt. Das kostet nichts und verschiebt das Risiko dorthin, wo es hingehört.
Ergebnis messen, nicht Reichweite. Vereinbare einen Link mit UTM-Parametern oder einen Rabattcode. Dann siehst Du nach der Kampagne, was wirklich angekommen ist.
Punkt 5 macht die ganze Diskussion am Ende überflüssig. Wenn Du auf Ergebnisse statt auf Follower-Zahlen bezahlst, ist ein aufgeblähter Account nicht mehr Dein Problem.
04Was passiert, wenn Du selbst Follower kaufst
Der Kauf wird oft als Kavaliersdelikt behandelt. Für ein Unternehmen ist er das nicht. Drei Ebenen kommen zusammen.
Wettbewerbsrecht
Das Landgericht Stuttgart untersagte es in einem Beschluss vom 06.08.2014 (Az. 37 O 34/14 KfH), im geschäftlichen Verkehr mit zugekauften „Fans“ und „Gefällt mir“-Angaben zu werben. Die Begründung: Solche Angaben erwecken den Eindruck, echte Menschen hätten aus eigener Neigung geklickt. Das Gericht stützte sich auf § 5 Abs. 1 UWG in Verbindung mit §§ 3 und 8 Abs. 1 UWG (Kanzlei Tröber zur Entscheidung).
Entscheidend ist die Unterscheidung, die das Gericht trifft: Nicht der Verkauf der Likes ist das Problem, sondern ihre geschäftliche Nutzung. Sobald ein Unternehmen mit manipulierten Zahlen wirbt, wird daraus eine Irreführung, die Wettbewerber abmahnen können.
Strafrecht
Wer Reichweite gegen Geld verkauft und dabei über die Echtheit des Publikums täuscht, bewegt sich im Bereich des Betrugs nach § 263 StGB. Der Straftatbestand verlangt eine Täuschung über Tatsachen, einen dadurch verursachten Irrtum, eine Vermögensverfügung und einen Schaden. Ein Creator, der einer Marke gekaufte Reichweite in Rechnung stellt, erfüllt diese Kette potenziell. Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.
Plattform und Reichweite
Der Kauf verstößt gegen die Nutzungsbedingungen von Instagram, TikTok und LinkedIn. Die Plattformen löschen erkannte Fake-Profile regelmäßig, wodurch die bezahlte Follower-Zahl wieder verschwindet. Schlimmer ist aber der zweite Effekt. Ob ein Beitrag ausgespielt wird, hängt davon ab, wie viele der Leute reagieren, die ihn zu sehen bekommen. Zehntausend Follower, die nie reagieren, ziehen genau diesen Wert nach unten. Der Account wird dadurch nicht sichtbarer, sondern unsichtbarer.
Ob Deine Inhalte betroffen sind, siehst Du bei Instagram unter Einstellungen → Kontostatus. Dort steht, ob Beiträge für Empfehlungen infrage kommen oder eingeschränkt sind. Einen pauschalen, geheimen Shadowban über den gesamten Account gibt es in dieser Form nicht, wohl aber die gedrosselte Ausspielung einzelner Inhalte.

05Was zu tun ist, wenn Fake-Follower auf Deinem Account liegen
Nicht jeder Fake-Follower ist gekauft. Bot-Netzwerke folgen wahllos, und gelegentlich kaufen Dritte Follower für fremde Accounts, um ihnen zu schaden. Das Vorgehen ist in beiden Fällen dasselbe:
Bestandsaufnahme. Rechne die Engagement-Rate der letzten zehn Beiträge und vergleiche sie mit dem Wert von vor sechs und zwölf Monaten. So siehst Du das Ausmaß und den Zeitpunkt.
Entfernen statt blockieren. Instagram erlaubt es, Follower gezielt zu entfernen, ohne sie zu blockieren. Bei Business-Accounts geht das über die Follower-Liste. Arbeite die auffälligsten Profile in Blöcken ab, nicht alle an einem Tag.
Melden. Offensichtliche Bot-Profile über die Meldefunktion melden. Das beschleunigt die plattformseitige Löschung.
Kennzahlen umstellen. Berichte künftig auf Reichweite, gespeicherte Beiträge und Profilaufrufe statt auf die Follower-Zahl. Diese Werte lassen sich nicht kaufen.
Nachwachsen lassen. Nach der Bereinigung sinkt die Follower-Zahl, die Engagement-Rate steigt. Das ist die gewünschte Richtung, auch wenn es im Reporting kurzzeitig schlechter aussieht.
Rechne mit einigen Wochen. Der Effekt auf die Ausspielung stellt sich nicht über Nacht ein.
06Was stattdessen funktioniert
Die Alternative zum Kauf ist keine Geheimtaktik, sondern Konsequenz an drei Stellen.
Ein klares Thema. Accounts, die für eine Sache stehen, sammeln ein Publikum, das genau diese Sache will. Genau dieses Publikum reagiert, teilt und kauft. Ein Account, der alles ein bisschen macht, sammelt niemanden.
Antworten statt senden. Kommentare zu beantworten und Nachrichten ernst zu nehmen kostet Zeit und ist der wirksamste Hebel auf die Engagement-Rate. Warum das kein Nebenschauplatz ist, haben wir in Warum Social Media ohne Community-Management nicht funktioniert ausgeführt.
Bezahlte Reichweite dort, wo es schnell gehen muss. Wenn Du kurzfristig mehr Leute erreichen willst, ist Werbung der ehrliche Weg. Sie kommt bei echten Menschen an, Du siehst schwarz auf weiß was sie bringt, und sie verstößt gegen keine Regel. Der Vergleich beider Wege steht in Instagram Ads oder organisches Wachstum.
Wer einen Account gegenseitig aufbläht, statt ihn zu bauen, landet übrigens beim selben Problem, nur ohne Rechnung. Das gilt auch für Follow-for-Follow, wie wir in Loyalität aufbauen beschrieben haben.
07Häufige Fragen
Wie erkenne ich gekaufte Follower bei Instagram am schnellsten?
Rechne die Engagement-Rate der letzten zehn Beiträge: Interaktionen geteilt durch Follower. Liegt das Ergebnis weit unter dem Instagram-Median von 0,36 Prozent und finden sich in den Kommentaren überwiegend Emojis und fremdsprachige Einzeiler, ist der Verdacht begründet.
Ist es strafbar, Follower zu kaufen?
Der Kauf allein ist keine Straftat. Wer die manipulierten Zahlen aber geschäftlich einsetzt, riskiert eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung wegen Irreführung nach § 5 UWG. Wird gekaufte Reichweite gegen Geld verkauft, kommt Betrug nach § 263 StGB in Betracht.
Kann Instagram gekaufte Follower erkennen?
Ja. Die Plattformen entfernen erkannte Fake-Profile regelmäßig, weshalb gekaufte Follower-Zahlen oft nach Wochen wieder sinken. Zusätzlich wirkt sich das schlechte Verhältnis von Reichweite zu Reaktionen negativ auf die Ausspielung aus.
Was tun, wenn jemand anderes Follower für meinen Account gekauft hat?
Auffällige Profile über die Follower-Liste entfernen, offensichtliche Bots melden und im Reporting auf Reichweite und Profilaufrufe statt auf die Follower-Zahl umstellen. Eine Sperre droht bei nachweislich fremdverursachtem Zuwachs in der Regel nicht.
Wie viele Fake-Follower sind normal?
Ein kleiner Anteil an Bot-Profilen findet sich auf praktisch jedem Account, weil Bot-Netzwerke wahllos folgen. Kritisch wird es, wenn die Engagement-Rate dadurch dauerhaft unter den Vergleichswert Deiner Branche fällt.
Lohnt sich der Kauf von Followern für kleine Unternehmen?
Nein. Die Zahl steigt, die Wirkung sinkt: Ein Publikum, das nicht reagiert, drückt die Ausspielung und damit die Sichtbarkeit bei echten Interessenten. Dazu kommen das wettbewerbsrechtliche Risiko und der Vertrauensschaden, wenn es auffällt.
Prüfst Du gerade einen Account, bei dem Du Dir unsicher bist?
Wir sehen uns Deinen Social-Media-Auftritt an, rechnen die Kennzahlen gegen die Benchmarks Deiner Branche und sagen Dir, wo die Reichweite wirklich herkommt. Schreib uns kurz, was Du vorhast.
Quellen
Rival IQ: 2025 Social Media Industry Benchmark Report — https://www.rivaliq.com/blog/social-media-industry-benchmark-report/
Rival IQ: What is a Good Engagement Rate on Instagram? — https://www.rivaliq.com/blog/good-engagement-rate-instagram/
LG Stuttgart, Beschluss vom 06.08.2014, Az. 37 O 34/14 KfH, dargestellt bei Kanzlei Tröber — https://www.troeber.de/de/news/gewerblicher-rechtsschutz/zur-zulassigkeit-gekaufter-likes-in-social-media-accounts/
Media Kanzlei: Follower kaufen erlaubt? Rechtlich nicht unproblematisch — https://media-kanzlei.com/rechtsthemen/follower-kaufen-erlaubt-rechtlich-nicht-unproblematisch/